Redebeitrag von Florian Fasshauer · Stadtverordnetenversammlung am 17.12.2025
Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,
dieser Antrag ist kein Luxus, keine grüne Spielwiese und kein „nice to have“.
Er ist schlicht notwendig.
Griesheim verfehlt erneut seine Klimaschutzziele. Nicht knapp, nicht überraschend, sondern vorhersehbar. Und das, obwohl unsere Ziele nicht einmal ambitioniert sind, sondern lediglich das umsetzen, wozu wir rechtlich ohnehin verpflichtet sind. Wer das noch immer als Randthema betrachtet, ignoriert die Realität.
Gleichzeitig leisten wir uns den Luxus, die zentrale Steuerungsstelle im kommunalen Klimaschutz unbesetzt zu lassen. Seit Monaten. Und nach aktueller Planung noch über ein Jahr. Das ist kein Versehen, das ist politisches Versäumnis.
Ein Klimaschutzmanager ist kein Symbolposten. Er ist die Schnittstelle zwischen Verwaltung, Bürgerschaft, Wirtschaft und Vereinen. Genau dort, wo Klimaschutz vor Ort entschieden wird. Ohne diese Stelle gibt es keine Koordination, keine Umsetzung, keine Glaubwürdigkeit.
Hinzu kommt: Die Stelle wird aktuell zu 70 Prozent gefördert. Wer sie jetzt nicht entfristet und wiederbesetzt, riskiert nicht nur Stillstand, sondern wirft auch Fördermittel faktisch weg. Das ist finanziell fahrlässig und politisch kurzsichtig. Eine entfristete Stelle hilft uns im Wettbewerb um die besten Köpfe.
Wir reden hier nicht über neue Programme oder zusätzliche Bürokratie. Wir reden darüber, das umzusetzen, was wir längst beschlossen haben und was im Klimaschutzkonzept dieser Stadt steht. Der Kreis hat uns die Defizite klar aufgezeigt. Jetzt ist es an uns zu handeln.
Erlauben Sie mir abschließend ein paar persönliche Worte. Ich bin nicht von hier, Sie hören es an der Sprache. In meiner Heimatstadt Lemgo im Lipperland – Sie kennen sie vielleicht aus der Handball-Bundesliga – gibt es
- seit 40 Jahren ein umfassend ausgebautes Fernwärmenetz, das den gesamten Bereich der Kernstadt abdeckt;
- seit 40 Jahren eine Kläranlage, in der nicht nur die Abwärme für das Fernwärmenetz genutzt, sondern auch elektrische Energie gewonnen wird;
- seit 30 Jahren ein Stadtbus-Netz mit vier Linien; die Busflotte wird ab 2026 komplett elektrisch betrieben.
Diese Erfolge – an denen ich übrigens keinerlei Anteil hatte, so viel Ehrlichkeit muss sein! – kamen nicht automatisch. Sie basieren auf mutigen Entscheidungen von Kommunalmanagern und Ingenieuren mit Sachverstand, Phantasie und Gestaltungswillen. Die Investition in kluge Köpfe zahlt sich in einer messbaren Dividende für die Bürgerinnen und Bürger aus.
Deshalb bitten wir Sie um Zustimmung zu diesem Antrag.
Vielen Dank.