»Es kommt auf jede und auf jeden Einzelnen an, Demokratie mit Leben zu füllen.«
Mit diesem Satz endet die Rede von Ramona Halbrock am vergangenen Donnerstagabend. Und er beschreibt ziemlich genau, worum es in den kommenden Jahren gehen wird.
Denn mit der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 23. April hat in Griesheim eine neue Wahlperiode begonnen – unter Bedingungen, die Zusammenarbeit nicht einfacher machen, aber umso notwendiger.
Ein Appell aus 22 Jahren Erfahrung
Ramona Halbrock eröffnete die Sitzung als dienstältestes Mitglied. 22 Jahre Kommunalpolitik liegen hinter ihr, vier Wahlperioden, unterschiedliche Mehrheiten, wechselnde Konstellationen. Dass sie diese Sitzung nun als Alterspräsidentin eröffnen würde, kam für sie selbst überraschend.
Vielleicht war ihre Rede gerade deshalb kein nostalgischer Rückblick, sondern ein klarer Appell an das neue Gremium:
Rede von Ramona Halbrock
Konstituierende Stadtverordnetenversammlung am 23.04.2026
Der Anruf von Herrn Kraft hat mich doch einigermaßen überrascht.
Hätte ich mir ja nicht träumen lassen, hier mal als Alterspräsidentin zu sitzen.
In Summe 22 Jahre und durchgehend 4 Wahlperioden. In diesem Sitzungsraum habe ich in so manche prägnanten Erlebnisse gehabt und Erfahrungen gesammelt.
Griesheim hatte in dieser Zeit unterschiedlichste politische Konstellationen:
- eine Jahrzehnte währende absolute SPD-Mehrheit
- wurde in 2016 durch eine Kooperation der ehemaligen Oppositionsparteien von CDU, GRÜNE, WGG und FDP abgelöst.
- Danach kam die große Koalition von CDU und SPD.
- Und nun nach der Kommunalwahl 2026 steht wieder eine andere politische Mehrheit mit neuen und jungen Gesichtern am Start.
Mit Blick zurück auf die kostbare Zeit denke ich, wir Gewählten hätten
- effektiver arbeiten müssen, an guten Lösungen für diese Stadt und für ihre Bürger*innen,
- Zielstrebiger in den Kompromiss und in die Umsetzung gehen und
- dadurch Reibungsverluste und Frust bei Ehrenamtlichen oder bei Wähler*innen reduzieren können.
Wenn ich mir etwas für die kommende Arbeit in diesem Gremium wünschen würde, dann das:
- einen sachlichen und inhaltlichen Austausch aller Fraktionen in den Fachausschüssen
- Manchmal die Sicht des anderen einnehmen. Es könnte ja was dran sein, was er/sie sagt.
- Gegenseitiges Zuhören, und dass insbesondere die Jüngeren und Unerfahrenen zu Wort kommen können.
- Bitte finden Sie gute – keine faulen – Kompromisse,
- und – um es mit den Worten meines geschätzten Kollegen zu sagen: man muss dem anderen auch was gönnen können.
Die wenigen, dafür aber guten und einvernehmlich gefassten Beschlüsse der vergangenen Jahre zeigen, dass mit unterschiedlichen Fraktionen gemeinsame Lösungen möglich sind.
Lassen Sie uns also konstruktiv und zuversichtlich durch diese Wahlperiode gehen.
Es kommt auf jede und auf jeden Einzelnen an, Demokratie mit Leben zu füllen.
Jeden Tag und mit jeder Entscheidung.
– Es gilt das gesprochene Wort. –
Personelle Weichenstellungen
Neben der inhaltlichen Ausrichtung wurden in der konstituierenden Sitzung auch zentrale personelle Entscheidungen getroffen:
Zum Stadtverordnetenvorsteher wurde Sebastian Schecker (SPD) gewählt, als stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher*innen Ramona Halbrock, Hagen Novotny (CDU) und Gabriele Winter (SPD).
Auch der Magistrat wurde neu aufgestellt: Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wurden Matthias Hoss und Andreas Tengicki in den Magistrat entsendet.
Matthias Hoss wurde zudem zum Ersten Stadtrat ernannt und übernimmt damit eine zentrale Rolle in der Stadtverwaltung. Diese Position entscheidet mit darüber, wie politische Beschlüsse konkret umgesetzt werden – und ob aus Vereinbarungen tatsächlich Veränderungen im Alltag der Menschen in Griesheim entstehen. Gerade deshalb kommt dieser Wahl besondere Bedeutung zu.
Wir gratulieren Matthias Hoss herzlich zu seiner Ernennung und wünschen ihm für diese verantwortungsvolle Aufgabe viel Erfolg und eine glückliche Hand.
Neue Mehrheiten – und eine neue Kooperation
Nach der Kommunalwahl am 15. März verteilen sich die 37 Sitze der Stadtverordnetenversammlung auf sechs Fraktionen. Eine Konstellation, in der Mehrheiten nicht selbstverständlich sind, sondern immer wieder neu hergestellt werden müssen.
In einer Kooperation übernehmen wir GRÜNE gemeinsam mit SPD und Die Linke Verantwortung für die kommenden Jahre. Über die inhaltlichen Schwerpunkte dieser Kooperation werden wir gesondert berichten.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es gelingt,
- Konflikte auszuhalten, ohne Zusammenarbeit aufzugeben
- unterschiedliche Positionen ernst zu nehmen, statt sie abzuwerten
- und Lösungen zu finden, die mehr sind als der kleinste gemeinsame Nenner
Oder, anders gesagt:
Jetzt zeigt sich, was »Gemeinsam geht’s« wirklich bedeutet.
Wenn Sie diese Entwicklung begleiten möchten, bleiben Sie gern mit uns in Kontakt.
Wir werden die Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung weiterhin aktiv begleiten, Entwicklungen einordnen und transparent machen, woran gearbeitet wird – und woran nicht. Schauen Sie regelmäßig auf unserer Website vorbei oder folgen Sie uns auf unseren Social-Media-Kanälen.
Und wenn Sie sich selbst einbringen wollen: Tun Sie’s. Genau davon lebt Demokratie.
Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.